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Der Kalif billigte den Vorschlag seines Wesirs und ging mit ihm dem Teich zu. Als sie dort angekommen waren, sahen sie einen Storch ernsthaft auf und ab gehen, Fr"osche suchend und hier und da etwas vor sich hinklappernd. Zugleich sahen sie auch weit oben in der Luft einen anderen Storch dieser Gegend zuschweben.
«Ich wette meinen Bart, gn"adigster Herr», sagte er Growesir, «wenn nicht diese zwei Langf"uler ein sch"ones Gespr"ach miteinander f"uhren werden. Wie w"are es, wenn wir St"orche w"urden?».
«Wohl gesprochen!», antwortete der Kalif. «Aber vorher wollen wir noch einmal betrachten, wie man wieder Mensch wird. – Richtig! Dreimal gen Osten geneigt und Mutabor gesagt, so bin ich wieder Kalif und du Wesir. Aber nur um Himmels willen nicht gelacht, sonst sind wir verloren!».
W"ahrend der Kalif also sprach, sah er den anderen Storch "uber ihrem Haupte schweben und langsam sich zur Erde lassen. Schnell zog er die Dose aus dem G"urtel, nahm eine gute Prise, bot sie dem Growesir dar, der gleichfalls schnupfte, und beide riefen: «Mutabor!».
Da schrumpften ihre Beine ein und wurden d"unn und rot, die sch"onen gelben Pantoffeln des Kalifen und seines Begleiters wurden unf"ormliche Storchf"ue, die Arme wurden zu Fl"ugeln, der Hals fuhr aus den Achseln und wurdе eine Elle lang, der Bart war verschwunden, und den K"orper bedeckten weiche Federn.
«Ihr habt einen h"ubschen Schnabel, Herr Growesir», sprach nach langem Erstaunen der Kalif. «Beim Bart des Propheten, so etwas habe ich in meinem Leben nicht gesehen».
«Danke untert"anigst», erwiderte der Growesir, indem er sich b"uckte, «aber wenn ich es wagen darf, m"ochte ich behaupten, Eure Hoheit sehen als Storch beinahe noch h"ubscher aus, denn als Kalif. Aber kommt, wenn es Euch gef"allig ist, da wir unsere Kameraden dort belauschen und erfahren, ob wir wirklich Storchisch k"onnen? ».
Indem war der andere Storch auf der Erde angekommen. Er putzte sich mit dem Schnabel seine F"ue, legte seine Federn zurecht und ging auf den ersten Storch zu. Die beiden neuen St"orche aber beeilten sich in ihre N"ahe zu kommen, und vernahmen zu ihrem Erstaunen folgendes Gespr"ach:
«Guten Morgen, Frau Langbein, so fr"uh schon auf der Wiese?».
«Sch"onen Dank, liebe Klapperschnabel! Ich habe mir nur ein kleines Fr"uhst"uck geholt. Ist Euch vielleicht ein Viertelchen Eidechs gef"allig oder ein Froschschenkelein?».
«Danke gehorsamst, habe heute gar keinen Appetit. Ich komme auch wegen etwas ganz anderem auf die Wiese. Ich soll heute vor den G"asten meines Vaters tanzen, und da will ich mich im Stillen ein wenig "uben».
Zugleich schritt die junge St"orchin in wunderlichen Bewegungen durch das Feld. Der Kalif und Mansor sahen ihr verwundert nach. Аls sie aber in malerischer Stellung auf einem Fu stand und mit den Fl"ugeln anmutig dazu wedelte, da konnten sich die beiden nicht mehr halten. Ein unaufhaltsames Gel"achter brach aus ihren Schn"abeln hervor, von dem sie sich erst nach langer Zeit erholten.
Der Kalif fate sich zuerst wieder: «Das war einmal ein Spa», rief er, «der nicht mit Gold zu bezahlen ist. Schade, da die Tiere durch unser Gel"achter sich haben verscheuchen lassen, sonst h"atten sie gewi auch noch gesungen!».
Aber jetzt fiel es dem Growesir ein, da das Lachen w"ahrend der Verwandlung verboten war. Er teilte seine Angst deswegen dem Kalifen mit.
«Potz Mekka und Medina! Das w"are ein schlechter Spa, wenn ich ein Storch bleiben m"ute! Besinne dich doch auf das dumme Wort, ich bring’ es nicht heraus».
«Dreimal gen Osten m"ussen wir uns b"ucken und dazu sprechen: Mu – Mu – Mu – ».
Sie stellten sich gegen Osten und b"uckten sich in einem fort, da ihre Schn"abel beinahe die Erde ber"uhrten, aber, o Jammer! Das Zauberwort war ihnen entfallen, und so oft sich auch der Kalif b"uckte, so sehnlich auch sein Wesir «Mu – Mu» dazu rief, jede Erinnerung daran war verschwunden, und der arme Chasid und sein Wesir waren und blieben St"orche.
III
Traurig wandelten die Verzauberten durch die Felder, sie wuten gar nicht, was sie in ihrem Elend anfangen sollten. Aus ihrer Storchenhaut konnten sie nicht heraus, in die Stadt zur"uck konnten sie auch nicht, um sich zu erkennen zu geben, denn wer h"atte einem Storch geglaubt, da er der Kalif sei, und wenn man es auch geglaubt h"atte, w"urden die Einwohner von Bagdad einen Storch zum Kalif gewollt haben?
So schlichen sie mehrere Tage umher und ern"ahrten sich k"ummerlich von Feldfr"uchten, die sie aber wegen ihrer langen Schn"abel nicht gut verspeisen konnten. Auf Eidechsen und Fr"osche hatten sie "ubrigens keinen Appetit, denn sie bef"urchteten, mit solchen Leckerbissen sich den Magen zu verderben. Ihr einziges Vergn"ugen in dieser traurigen Lage war, da sie fliegen konnten, und so flogen sie oft auf die D"acher von Bagdad, um zu sehen, was darin vorging.